Freitag, 17. Oktober 2014

Sehr alte Bausubstanz

Ich mag ja alte Häuser. Je älter, desto besser. Und deswegen war ich Mitte September mit Julia im Luostarinmäki Handicraft Museum. Es besteht aus alten Holzhäusern, die das große Feuer von 1827 überstanden haben. In ihnen sind verschiedene Werkstätten eingerichtet - vom Fristeur und Perückenmacher über eine Buchbinderei bis hin zu Weberei, Bäckerei und Schneiderei. Diese Werkstätten sind allerdings im Gegensatz zu den Häusern nicht original. Der Stadtteil nahe des Hafens beherbergte nämlich ursprünglich die armen Bevölkerungsschichten Turkus, die in ihrem Viertel keinen eigenen Uhrmacher hatten. Das tut der Atmosphöre allerdings keinen Abbruch!

Ich muss gestehen, dass das Museum mich am Anfang nicht so sehr vom Hocker gerissen hat. Mitte September ist da nicht mehr so viel los, während es im Sommer von Darstellern bevölkert wird, die die Handwerkskünste vorführen. Schmieden und Töpfern bei der Arbeit zuzusehen würde das sicherlich nochmal auf eine ganz andere Stufe heben.

Töpferei
Grasbewachsene Dächer sind klasse!
Druckerei
Drucker bei der Arbeit
Buchbinderwerkstatt
... für Tintenherz-Fans natürlich ganz großartig. ;)
Uhrmacherwerkstatt

Getroffen haben wir aber immerhin zwei Menschen. Der Drucker hat für uns eine Stadtansicht gedruckt und ich war wieder einmal begeistert, wie detailiert Schnitzereien auf Holz sein können. Wenn ich so zeichnen könnte, wäre ich schon völlig hin und weg.
Der Museumsmitarbeiter im letzten Bild hat uns schließlich erklärt, dass die Uhrmacher im 18. Jahrhundert auch Brillen hergestellt haben. Die gekrümmten Gläser sind denen von Taschenuhren so ähnlich, dass Uhrmacher das passende Werkzeug dafür hatten - und Optiker gab es noch keine. Von Brillen, Uhren und dem Museum im Allgemeinen driftete die Unterhaltung dann ein wenig ab. Am Ende sprachen wir über Finnlands Beziehungen mit Russland, über den Kalten Krieg, das Leben als Erasmus-Student in Finnland, das finnische Wetter und Urlaub in Asien. Anders gesagt: Über eine Stunde lang wurde lebhaft getratscht. Als wir uns ein paar Wochen später zufällig im Schloss wieder über den Weg liefen, haben wir uns sogar wiedererkannt - und weitergeredet. Unter anderem über Alarmanlagen im Schloss und Kneipen in Turku.
Der nächste, der mir erzählen will, finnische Menschen seien so furchtbar schweigsam und reserviert: Nee. Jedenfalls nicht alle. ;)

Kommentare:

  1. *lach* bei deinem letzten Satz musste ich an die 'satw.com' Comics kennen? kennst du sie? die sind schon fast Pflicht wenn man in Skandinavien durch die Gegend reist, aber Vorsicht, man kann sich schwer losreißen ;-)

    LG
    Talia

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    1. Haha, die kenne und mag ich tatsächlich sehr gerne. Und ertappe mich dann hin und wieder dabei, wie ich denke: "Hm. Hätte ich mir doch eines der anderen Länder aussuchen sollen...?" (Hätte ich nicht. Die Finnen sind schon super, so wie sie sind.) :D

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  2. *hihi na das ist doch dann im endeffekt noch ein schöner Museumsbesuch :D
    Die ganzen Stuben und Werkstätten sehen auf jeden Fall super spannend aus - aber ich kann mir das schon vorstellen, mir sagt das alles auch noch etwas mehr zu, wenn da wirklich gewerkelt wird. ^^

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